Meine Winterreise
» Winterreise - D 911; Op. 89 von Franz Schubert - Die Lieder 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6

Nr. 1 Gute Nacht - Liedanfang "Fremd bin ich eingezogen"

Originaltonart: c-moll - veröffentlicht 24.01.1828


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext


  



 Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich nimmt Abschied von seiner bisherigen Bleibe und – vor allem – seiner Liebsten. Die Liebesbeziehung zwischen den beiden war glücklich (Das Mädchen sprach von Liebe, die Mutter gar von Eh’), musste jedoch beendet werden - sei es weil die Geliebte sich einem anderen zuwandte oder weil ihr Vater die Beziehung wegen des Standesunterschiedes untersagte. So bricht das lyrische Ich in einer Winternacht auf und schreibt seiner Geliebten, die bereits schläft, einen Gute-Nacht-Gruß ans Tor. Die Verarbeitung dieses Verlustes ist das Thema des folgenden Gedichtzyklus.

Musik: Es handelt sich um ein variiertes Strophenlied: Die ersten beiden Strophen sind musikalisch identisch, die dritte und vierte Strophe variiert. Die durchgehende Achtelbegleitung in der Klavierstimme kennzeichnet das Lied als ein für die Winterreise typisches Gehlied, da sie die Schritte des lyrischen Ichs darstellt, welches ziellos umherwandert. Die stetigen Achtel (Grundmotiv 1) verleihen dem Lied außerdem Schwere, welche durch die durchweg fallende Melodie der Gesangstimme in den Moll-Teilen (Grundmotiv 2) zusätzlich verstärkt wird. Bei dem Wort "die Liebe", erstmalig ab Takt 15, richtet sich die fallende Linie des Grundmotivs 2 in F-Dur auf. Die vierte Strophe steht in der gleichnamigen Durtonart C-Dur, da das lyrische Ich hier seine Geliebte anspricht und sich nach der Vergangenheit sehnt. In den letzten 2 Takten der vierten Strophe wird aus D-Dur wieder d-Moll. Das abschließende Klaviernachspiel, in welchem die Oberstimme von a'' auf d' hinabfällt und nur noch die monotone Achtelbewegung herrscht, deutet bereits die Hoffnungslosigkeit der Situation des lyrischen Ichs an.



Verschiedene Interprtationen des Liedes (Playliste)



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Nr. 2 Die Wetterfahne - Liedanfang "Der Wind spielt mit der Wetterfahne" - veröffentlicht 24.01.1828

Originaltonart: a-moll


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich nimmt Anstoß an der Wetterfahne, welche auf dem Haus seiner Geliebten steht. Sie wird als Symbol des gehobenen Bürgertums gedeutet; der Text legt nahe, dass die Liebesbeziehung des lyrischen Ichs abgebrochen wurde, weil das Elternhaus der Liebsten ihr einen wohlhabenderen Ehemann ausgesucht hat. Das lyrische Ich sieht sich in Bedeutungslosigkeit versinken (Was fragen sie nach meinen Schmerzen? Ihr Kind ist eine reiche Braut.).

Musik: Die Klaviereinleitung im zweiten Teil von Takt zwei und in Takt 3 bezieht sich mit einer Variation des abfallenden Grundmotivs 2 auf das erste Lied. Die Klavierbegleitung besteht auf weiten Strecken aus einer Melodie, die von beiden Händen im Oktavabstand gespielt wird und mit der Singstimme identisch ist. Die Oktavverschiebung gibt dem Lied einen schaurigen Charakter, welcher durch das schnelle Tempo, Triller, Vorschläge und arpeggierte Akkorde verstärkt wird. Auch hier findet sich bei der Erwähnung der reichen Braut die gleichnamige Durtonart, um die Erinnerung an die Geliebte aufzuzeigen. Das Lied endet ohne Akkord auf einer a-Oktave.


Verschiedene Interpretationen des Liedes (Playliste)



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Nr. 3 Gefror'ne Tränen - Liedanfang "Gefror'ne Tropfen fallen"

Originaltonart: f-moll - veröffentlicht 24.01.1828

Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Die Tränen des lyrischen Ichs gefrieren auf seinen Wangen, und es wundert sich darüber, dass diese Tränen aus der heißen Sehnsucht nach seiner Liebsten geboren werden.

Musik: Die Klavierbegleitung wird von zwei rhythmischen Elementen geprägt: einmal der synkopischen Halben auf dem zweiten Schlag in der linken Hand und einmal durch die viertelbetonte rechte Hand, die oft auf dem zweiten Schlag zwei Achtel hat. Durch die starke Viertelorientierung kann wie bei Gute Nacht von einem Gehlied gesprochen werden. Vorangetrieben wird das Lied auch durch die oft auftretende Dominante auf dem vierten Schlag. Die oft staccatierten Viertel symbolisieren die Tränen des lyrischen Ichs. Der plötzliche Forte-Ausbruch am Ende (des ganzen Winters Eis) verdeutlicht den aufgewühlten Zustand des lyrischen Ichs, welcher noch oft – vor allem musikalisch – thematisiert wird.


Verschiedene Interpretationen des Liedes (Playliste)



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Nr. 4 Erstarrung - Liedanfang "Ich such im Schnee vergebens"

Originaltonart: c-moll - veröffentlicht 24.01.1828

Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich wandert durch den Schnee, sucht die Spur seiner Geliebten und weint ihr nach. Die Natur ist tot (die Blumen sind erstorben) und so bleibt dem lyrischen Ich als Erinnerung an seine Liebste nur der Schmerz. Es beschließt, ihr Bild in seinem Herzen einzuschließen und sich nie wieder zu verlieben (schmilzt je das Herz mir wieder, fließt auch ihr Bild dahin).

Musik: Die Begleitung besteht durchgehend aus sehr schnellen Achteltriolen und einer immer wiederkehrenden Bassmelodie. Dies verdeutlicht die emotional angetriebene, durchaus auch hektische Suche des lyrischen Ichs nach Spuren der Vergangenheit. Beim Ausruf mit meinen heißen Tränen findet sich das As als einer der höchsten Töne der Singstimme in der Winterreise. Sehr deutlich wird der Gedanke an die Vergangenheit im Mittelteil (Wo find’ ich eine Blüthe? ), der in As-Dur steht, jedoch wird die Rückerinnerung musikalisch durch anhaltende verminderte Akkorde zunichte gemacht


Verschiedene Interpretationen des Liedes (Playliste)



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Nr. 5 Der Lindenbaum - "Am Brunnen vor dem Tore"

Originaltonart: E-Dur - veröffentlicht 24.01.1828


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext






Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich kommt bei seiner Wanderung an einem Lindenbaum vor dem Tor der Stadt vorbei, den es nun zum letzten Mal sieht. (Der Lindenbaum wird in der romantischen Literatur häufig als Symbol für Heimat und Geborgenheit verwendet.) Das lyrische Ich fühlt sich stark zum Baum hingezogen und muss beim Vorbeiwandern die Augen schließen und sich zwingen, sich nicht umzudrehen, da der Lindenbaum eine ungeheure Anziehungskraft auf es auswirkt. Der Vers Du fändest Ruhe dort lässt sich als Todessehnsucht ausdeuten, der sich das lyrische Ich hier widersetzt.

Musik: Das Lied wird mit einem Vorspiel eingeleitet, das durch die Sechzehnteltriolen und die Bewegung in der Oberstimme stark an das vorherige Lied (Achteltriolen und Basslauf) erinnert. Die zunächst homophone, unterordnende Begleitung der Singstimme gibt dem Lied einen volkstümlichen Charakter. Die Tonart E-Dur spiegelt die Entrücktheit des lyrischen Ich wider, das hier in der Vergangenheit gefangen ist und ihr kaum entkommen kann. Die Textpassagen, welche sich auf die Gegenwart beziehen, sind in Moll vertont: Die oktavverschobenen Begleitstimmen in der ersten Passage (Ich musst’ auch heute wandern) erinnern an Die Wetterfahne, die zweite Stelle (Die kalten Winde bliesen) bildet mit ihren vielen Halbtonverschiebungen einen starken Kontrast zum Rest des Liedes. Das Lied endet wieder in E-Dur.

Weitere Informationen zu "Der Lindenbaum"
Verschiedene Interpretationen des Liedes (Playliste)

 
"Der Lindenbaum" von Franz Schubert Der Lindenbaum als Volkslied




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Nr. 6 Wasserflut - "Manche Trän' aus meinen Augen"

Originaltonart: e-moll - veröffentlicht 24.01.1828


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich spricht hier die Natur an. Es versucht, sie mit seinen fallenden Tränen zu verändern und durch den schmelzenden Schnee, der in das Dorf zurückfließt, einen vagen Kontakt zu seiner Liebsten aufzunehmen.

Musik: Das fast immer gleichbleibende viertaktige Rhythmusostinato im Klavier erinnert durch die Punktierung und das langsame Tempo an einen Trauermarsch. Durch das Forte, das immer wieder spontan aus dem Pianissimo herausbricht, werden emotionale Ausbrüche des lyrischen Ichs verdeutlicht.


Verschiedene Interpretationen des Liedes (Playliste)



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.:  Manfred Ph. Troll - Gerichtstetter Strasse 81 - D-74736 Hardheim  :.