Meine Winterreise
» Winterreise - D 911; Op. 89 von Franz Schubert - Die Lieder  7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12

Nr. 7 Auf dem Flusse - Liedanfang "Der du so lustig rauschtest"

Originaltonart: e-moll - veröffentlicht 24.01.1828


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext


  



Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich befindet sich auf einem zugefrorenen Fluss. Es ritzt in das Eis den Namen seiner Liebsten. Nun vergleicht es sein Herz mit dem Bach: Es ist an der Oberfläche zugefroren, ist aber darunter völlig aufgewühlt (Ob's unter seiner Rinde wohl auch so reißend schwillt?). Der Wanderer hat die Liebe noch nicht vergessen. Sein Herz lässt sich, genauso wie die Eisschicht auf dem Fluss, leicht verletzen (In deine Decke grab’ ich mit einem spitzen Stein).

Musik: Die Begleitachtel am Anfang erinnern trotz Staccato an Gute Nacht, es handelt sich wieder um ein Gehlied. Gleichzeitig symbolisiert das stockende Staccato die zugefrorene Rinde. Außerdem stellt es den Herzschlag des Wanderers dar. Das untergründige Schwellen wird durch Begleitsechzehntel ausgedrückt, die sich im Laufe des Stücks immer mehr häufen und schneller werden; am Ende sind es Zweiunddreißigstel. Die Rückerinnerung an die Geliebte ist - wie immer - wieder in der gleichnamigen Durtonart gehalten. Die fünfte, letzte Strophe wird durch mehrmalige Wiederholung stark betont, da hier im Gegensatz zu den ersten beiden Strophen wieder auf den psychischen Zustand des lyrischen Ichs eingegangen wird: Unter seiner Rinde ist es stark aufgewühlt und lässt sich wieder zu lauten Ausrufen hinreißen (ob's wohl auch so reißend schwillt? ).



Verschiedene Interprtationen des Liedes (Playliste)



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Nr. 8 Rückblick - Liedanfang "Es brennt mir unter beiden Sohlen" - veröffentlicht 24.01.1828

Originaltonart: g-moll


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich flüchtet aus der Stadt seiner Liebsten, wo es von Krähen hinausgejagt worden ist. Es erinnert sich daran, wie es in die Stadt gezogen und dort freundlich empfangen worden war. Es sehnt sich wieder zurück zum Haus seiner Liebsten.

Musik: Das Lied ist eines der hektischsten in der Winterreise, was vor allem durch die durchgängigen Achtel, verbunden mit den Sechzehntel-Nachschlägen im Klavier, bewirkt wird, die sich durch das ganze Lied ziehen; das Lied ist wieder ein Gehlied. Gleichzeitig zeigt sich hier sehr deutlich der Kontrast von Gegenwart und Vergangenheit, der wiederum durch das Überwechseln in die Varianttonart G-Dur verdeutlicht wird. Die Singstimme hat in der ersten Strophe fast nur Achtel und Sechzehntel, was seine Hektik und Flucht untermalt (Ich möcht’ nicht wieder Athem holen, bis ich nicht mehr die Thürme seh’ ). In der zweiten Strophe – der Erinnerung an die Vergangenheit – werden die Sechzehntelpausen zwischen den Synkopen aufgefüllt. Zusammen mit der Bindung der Achtel in der linken Hand und der Durtonart wird die Gegenwart der ersten Strophe kontrastiert. In der dritten Strophe kehrt das Lied zunächst zurück nach Moll, endet aber in Dur, da sich das lyrische Ich zurückwünscht und nicht von der Vergangenheit loskommt.

 




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Nr. 9 Irrlicht - Liedanfang "In die tiefsten Felsengründe"

Originaltonart: h-moll - veröffentlicht 24.01.1828

Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich wird von einem Irrlicht getäuscht und verirrt sich im Gebirge. Es vergleicht das Wirken des Irrlichts mit den Wirren seines Lebens und denkt über den Tod nach (’s führt ja jeder Weg zum Ziel; jeder Strom wird’s Meer gewinnen, jedes Leiden auch sein Grab).

Musik: Das Irrlicht wird durch unstete Rhythmik im Klavier veranschaulicht, wobei Schubert des Öfteren im Takt die schnellen Notenwerte vor die langsamen setzt, was beim Hören als irritierend empfunden wird. Die vielen Punktierungen erinnern wie in Wasserfluth an einen Trauermarsch, der hier angesichts der Erwähnung des Grabes angemessen erscheint.




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Nr. 10 Rast - Liedanfang "Nun merk' ich erst, wie müd ich bin "

Originaltonart: c-moll - veröffentlicht 24.01.1828

Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich fühlt sich müde, als es eine Rast einlegt. Aber der seelische Schmerz meldet sich nun, da das Wandern nicht mehr als Ablenkung vorhanden ist, umso stärker zurück.

Musik: Der Rast zum Trotz handelt es sich wieder um ein Gehlied wegen der immer präsenten Achtel. Schubert orientiert sich hier vor allem an der zweiten Strophe (Doch meine Glieder ruh’n nicht aus, so brennen ihre Wunden). Ein gewisses Rastgefühl wird durch die meist nur taktweise wechselnde Harmonik vermittelt. Wieder drückt die Singstimme durch einen lauten Ausruf (mit heißem Stich sich regen!) die emotionale Aufruhr des lyrischen Ichs aus.




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Nr. 11 Frühlingstraum - "Ich träumte von bunten Blumen"

Originaltonart: h-moll - veröffentlicht 24.01.1828


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich wird brutal aus einem schönen Frühlingstraum gerissen und sucht aus der Realität den Weg zurück in seinen Traum (Ihr lacht wohl über den Träumer, der Blumen im Winter sah?). Wieder zurück in der Erinnerung an den Traum erinnert sich das lyrische Ich an die Nähe seiner Geliebten. Das lyrische Ich ist unfähig, die Erinnerung an die Vergangenheit zu verdrängen, und sehnt sich zurück in den Frühling (Wann grünt ihr Blätter am Fenster? Wann halt’ ich mein Liebchen im Arm? ).

Musik: Die Musik ist hier in drei Ebenen unterteilt: zuerst der wiegende Sechsachteltakt, der den schönen Traum verkörpert; dann das brutale Erwachen, das mit schnellem Tempo, Wechsel in Moll, Staccato und tiefem, drohendem Sechzehnteltremolo ausgedrückt wird, und schließlich das Zurücksehnen nach dem Traum, das durch den konkreten Zweivierteltakt näher an der Realität liegt und durch die Rückkehr nach Dur gleichzeitig das Festhalten am Traum und der Vergangenheit verdeutlicht. Diese drei Teile werden bei den zweiten drei Textstrophen wiederholt. Der Schluss des Liedes verweigert aber die Rückkehr nach Dur, das Verharren in der dunklen Mollvariante kann als Hinweise auf die Hoffnungslosigkeit des Wanderers gesehen werden. Die abschließende Frage des Liedes (Wann halt’ ich mein Liebchen im Arm? ) wird durch die Musik durch die erklingende Molltonika negativ beschieden.

 




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Nr. 12 Einsamkeit - "Wie eine trübe Wolke"

Originaltonart: h-moll - veröffentlicht 24.01.1828


Midi Klavierbegleitung / Auszug f. tiefe Stimme Autograph Liedtext





Informationen zum Lied

Text: Das lyrische Ich vergleicht sich mit einer einzelnen Wolke am klaren Himmel. Ihm begegnen beim Wandern Ruhe und Frohsinn. Durch diese Eindrücke fühlt es sich noch elender (Als noch die Stürme tobten, war ich so elend nicht.).

Musik: Dieses Lied wird in der ersten Strophe von durchgehenden Achteln geprägt und ist deshalb zuerst ein Gehlied. Die Einsamkeit des lyrischen Ichs wird durch die vielen unvollständigen Zweiklänge und die wenigen Töne, aus der die Begleitung zunächst besteht, verdeutlicht. In der zweiten Strophe orientiert sich die Begleitung stark an den Stürmen mit Tremoli und Sechzehnteltriolen. Die elende Stimmung des lyrischen Ichs wird mit dem tief gesetzen Schlussakkord deutlich. Wichtig ist, dass Schubert dieses Lied als Endlied des ersten Teils des Zyklus komponierte und veröffentlichte, da der zweite Teil des Liederzyklus, also die Lieder 13 bis 24, erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde.


Verschiedene Interpretationen des Liedes (Playliste)



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